ISO 11088
Ausgabe August 2005. 

Montage, Einstellung und Überprüfung der Funktionseinheit Alpinski-Bindung-Schuh (S-B-S)


Diese internationale Norm erschien in gedruckter Form zum erstenmal am 15.12.1993 und ist in Deutschland am 1.4.1994 in Kraft getreten.Die überarbeitete Neuauflage erschien jeweils im Juni 1998 und August 2005.. Diese Norm ist in erster Linie an den Sportfachhändler adressiert (sie hieß ja ursprünglich Ski Shop Praxis). Da der Originaltext  dieser Norm sehr wortkarg und für den Laien schwer lesbar ist, werden ihre einzelnen Punkte im weiteren gründlich erläutert und mit Beispielen ergänzt.

 

Neuigkeiten der Ausgabe August 2005:

  • Die TIBIA-methode ist in den informativen Anhang verschoben. Das heisst, sie ist als "informativ" herabgestuft, während die Gewichtsmethode eizig als "normativ" gilt. Bemerkung: Einige Körperschften in Deutschland (z.B. VDS) forcieren nach wie vor die TIBIA-Methode, was nicht verboten ist.
  • Das Prüfgerät (Bindungseinstellgerät) nach ISO 11110 wurde verpflichtend gemacht
  • Der geänderte Anhang A wurde aus der Norm ISO8061 übernommen. Die wichtigsten Neuerungen daraus:
    • Skifahrertyp (Fahrkönnen): Es unterliegt der Verantwortlichkeit des Skifahrers, die in der Tabelle A.1. verwendete Klassifikation des Skifahrers für sich zu bestimmen. Der Einsteller ist jedoch verpflichtet, ihm bei der Zuordnung zu helfen und ihm die Gefahren, die mit der Zuordnung verbunden sind, bewusst zu machen.
    • TYP 1,2,3 ist weiter detailliert beschreiben und in der Tabelle A.1. zusammengefasst. (Kein wesentlicher Unterschied zur bisherigen Praxis).
    • Neu: Wahlweise Einstellungen (nur auf Verlangen des Skifahrers): Für Skifahrer von 10 Jahren und älter jedes Typs, können höhere oder niedrigere Eistellungen mit einen + (plus) oder - (minus) vor der Typbezeichnung kenntlich gemacht werden (z.B. -1, +3,...). Dem entspricht ein zusätzlicher Sprung um eine Zeile hinauf oder hinunter in der Einstelltabelle.
    • Neue Altersklasse: Kinder unter 10 Jahre (sehr wichtig!): bei Kindern unter 10 Jahre ist eine Zeile nach oben zu gehen (= um 15% niedrigere Einstellung). Damit ist diese Korrektur gleich, wie bei Senioren ab 50 Jahren. Bevor alle Einstellgeräte in diesem Punkt umgerüstet werden, kann man sich zuerst selber behelfen, in dem man das Kindesalter anstatt "unter 10" bewust auf "ab 50" stellt und somit die richtige Z- Berechnung erhält. Nur bei dem Ausdruck in die Einstellkarte ist das richtige Kindesalter dann nachträglich zu korrigieren. Ab August 2005 umprogrammiert SPORTECH alle seine Einstellgeräte. Die effektivste Vorgehensweise ist, das mit der nächsten Kalibrierung zu verbinden.
    • Ausnahmen:
      1) Skifahrertyp-Einstufung "3" (=sportlich) darf nicht benutzt werden für Kinder mit weniger als 22Kg
      2) Kinder mit 13 und weiniger Kg bekommen keine weitere Korrektur
      3) Kinder mit 38 und weniger Kg dürfen nicht die "-1" Skifahrertyp-Einstufung bekommen
  • Einstellkarte: Übergabe der Funktionseinheit an den Kunden erfolgt nach der Endeinstellung nur mit der ausgefüllten Einstellkarte. Diese enthält seinen Namen und alle seine sicherheitstechnisch relevante Angaben:
    • Name, Alter und Geschlecht des Skifahrers
    • Fahrweise
    • Sohlenlänge
    • Schuhtyp
    • Bindungstyp
    • Skityp und Länge
    • die nach der Einstellung für alle Auslösefunktionen am Prüfgerät nach ISO 11110 abgelesenen Auslesedrehmpmente für der rechten und linken Ski
    • Der auf der Bindung abgelesener Skalenwert
    • Datum der Einstellung

Grundsätzliches für beide Methoden:

Die Tibiamethode ist in Deutschland bei IAS erarbeitet worden. Sie basiert auf zahlreichen Versuchen an menschlichen Knochen. So wurden wissenschaftlich Werte gesammelt, bei welchen diese Knochen zu Bruch in der Biege- und Drehrichtung gehen. So hat man eine Abhängigkeit zwischen dem Tibiakopf-Durchmesser, Geschlecht und dem Alter des Skifahrers zu den Drehmementen, die zu Verletzungen führen, herausgefunden. Gekoppelt mit dem Skifahrertyp (Fahrkönnen, Risikobereitschaft) ergeben sich genaue Zusammenhänge, die in der TIBIA-Einstelltabelle zusammengefaßt sind. Jahrelanges Benutzen dieser Tabelle in der Praxis (besonders in Deutschland) hat ihre Richtigkeit bewiesen.
Die Gewichtsmethode wurde besonders in der Schweiz und in den USA entwickelt und praktiziert. Diese Methode basiert auf der statistischen Auswertung von Skiunfällen. Man hat eine Abhängigkeit zwischen dem Körpergewicht, Körpergröße und dem Alter des Skifahrers zu den Drehmomenten, die zu Verletzungen führen, herausgefunden. Gekoppelt mit dem Skifahrertyp (Risikobereitschaft, Fahrkönnen) wird jedem Skifahrer ein Code A bis P zugeordnet, zu welchen in einer Tabelle die entsprechenden Drehmomente in Nm zusammengefaßt sind. Jahrelanges Benutzen dieser Tabelle in der Praxis (besonders in der Schweiz und USA) hat ihre Richtigkeit bewiesen.
Deutschland:  Tibimethode und Gewichtsmethode
Schweiz: Gewichtsmethode (metrisch: Kg, cm)
Österreich: Gewichtsmethode (metrisch: Kg, cm) und Tibiamethode
USA: Gewichtsmethode (lb, foot, inch)
Es ist weiter wichtig zu wissen, daß diese Tabellen nur eine grobe Annäherung (=Beispiel) der einzig korrekten, stetigen Kurve, wie sie in der Norm ISO 8061 definiert ist, darstellen. Es kann daher durchaus vorkommen, daß el. Kalkulatoren exakt die Werte berechnen, die sich aus der stetigen Kurve ergeben und dadurch in scheinbarem Widerspruch zu der tabellarischen Vereinfachung stehen: im Konfliktfall hat die Berechnung nach der stetigen Kurve aus der ISO 8061 Vorrang vor der aus der Tabelle entnommenen Werte.
Auslösedrehmomente
Die Einführung der Drehmomentmessung anstelle von der früheren Kraftmessung ist eine der wichtigsten Neuerungen. Es gibt zwei Zusammenhänge, in denen das Auslösedrehmoment Mz und My (Nm) verwendet werden:
a) Das ausgewählte (kalkulierte) Auslösedrehmoment individuell für einen gegebenen Skifahrer nach ISO 8061.
b) Das gemessene Auslösedrehmoment (mit Einstellgerät) für eine gegebene Funktionseinheit, als Mittelwert aus drei aufeinanderfolgenden Auslösemessungen in derselben Richtung an derselben Funktionseinheit.

Skifahrer-Typ-Einstufung
Die frühere Einstufung nach Fahrkönnen L--A--S wurde durch 1--2--3 Einstufung ersetzt. (L--A--S bleibt weiterhin nur für Material wie Ski, Schuhe usw. vorbehalten, 1--2--3 für den Menschen). Die Verantwortung für die Einstufung trägt eindeutig der Skifahrer, denn der Bediener ist auf seine Aussage voll angewiesen. Der Bediener ist jedoch verpflichtet, durch gezielte, lückenlose Befragung seine richtige Antwort zu gewinnen. Besonders ist der Bediener verpflichtet, ihm über die verherenden Folgen falscher Angaben zu belehren.

  • Typ 1: Vorsichtiges Skifahren auf sanften Abhängen mit leichter bis mittlerer Neigung. Dieser Typ trifft auch zu auf Skifahrer in Anfangsstadium, die sich ihrer Zuordnung nicht sicher sind. Skifahrer, die sich delbst dem Typ 1 zuordnen, erhalten Einstellungen, die unter dem Durchschnitt liegen. Dies entsprich einem höheren Risiko hinsichtlich Frühauslösung, um somit eine erhöhte Auslösefähigkeit beim Sturz zu erzielen.
  • Typ 2:
    Skifahrer die sich weder als Typ 1 noch als Typ 3 einstufen
  • Typ 3: Schnelles, aggressives Skilaufen auf Hängen mittlerer bis starker Neigung. Skifahrer, die sich selbst dem Typ 3 zuordnen, erhalten Einstellungen, die über den Durchschnitt liegen. Dies entspricht einem verminderten Risiko einer Frühauslösung, um somit eine verminderte Auslösefähigkeit bei einem Sturz zu erzielen.

Der Skifahrer muß weiterhin darauf aufmerksam gemacht werden( achtung Produkthaftung!!!), daß:

  • Wenn er sich als Typ 1 einstuft, so bekommt er eine leichtere Bindungseinstellung. Das erhöht einerseits die Möglichkeit von Fehlauslösungen, mindert andererseits jedoch das Risiko der Nichtauslöung beim Sturz.
  • Wenn er sich als Typ 3 einstuft, so bekommt er eine härtere Bindungseinstellung. Das reduziert einerseits jedoch das Risiko der Fehlauslösungen, erhöht andererseits jedoch das Risiko der Nichtauslösung beim Sturz.
Typ
1
2
3
Geschwindigkeit
langsam bis gemäßigt
Skifahrer, die weder den Beschreibungen unter 1 noch unter 3 voll entsprechen
schnell
Gelände
leicht bis gemäßigt
steil
Stil
vorsichtig, sanft
aggressiv

 

Die Tibia-Methode

Messen des Tibiadurchmessers
Man mißt den Tibiadurchmesser mit einem Tibiameter. Hat man einen neuen Tibiameter, so kann man entweder den TIBIA-Durchmesser in Millimetern ablesen, oder an separaten Skalen für Kinder, Frauen und Männer den Ausgangswert Z ablesen, der hier das unkorigierte Drehmoment Mz in dNm darstellt. Manche Einstellgeräte bevorzugen die zweite Möglichkeit, weil man sich eine Angabe (Frau/Mann/Kind) erspart.

Alters- und Skifahrertyp-Korrektur
Der mittlere Teil der Tibiatabelle (Abbildung X) stellt eine zweidimensionale Korrekturtabelle dar. Sie hat 5 Zeilen für folgende Altersgruppen: bis 15, 16 bis 17, 18 bis 50, 50 bis 60, ab 61 und 3 Spalten für den Skifahrertyp 1, 2 und 3. In dem entsprechenden Kreuzpunkt (Zeile mit Spalte) findet man die richtige Korrektur (Wert zwischen -2 und +1) und addiert diesen zum Ausgangswert Z. In der Spalte Mz findet man dann dazu den Auslösedrehmoment in Drehsturzrichtung in Nm (Newtonmeter). In der Spalte My findet man dan dazu den Auslösedrehmoment in Frontalsturzrichtung in Nm.

Die zulässigen Toleranzen
für das gemessene Auslösedrehmoment gegenüber dem ausgewählten (kalkulierten) individuellen Drehmoment betragen exakt:
VORNE: Mz: +- 15\% oder 3 Nm (es gilt jeweils der größere Wert)
FERSE: My: +- 15\% oder 10 Nm (es gilt jeweils der größere Wert)

Die Sohlenkorektur.
Aus der Sohlenlänge-Korrekturtabelle  findet man weiter zu dem nach Alter und Typ korrigierten Z-Wert den endkorrigierten Z-Wert für die Voreinstellung. Es sei betont, daß dieser Wert rein informativ ist, das vorher gefundene Drehmoment in Nm bleibt dagegen maßgebend. Beim Benutzen eines elektronischen Bindungseinstellgerätes entfällt das Suchen in der Tibiatabelle, weil diese Arbeit der Kalkulator dieses Gerätes übernimmt. Ebenso errechnen selbständige Einstellwertkalkulatoren (wie z.B. der SkiTAX von SPORTECH) diese Werte und drucken sie auf eine Einstellkarte.

Die Gewichts-Methode

Bestimmung des Skifahrer-Code an Hand seines Gewichts und Größe
Suche in der Tabelle (Abbildung X). die jeweilige Zeile, die in ihren Spalten Körpergröße und Körpergewicht den Angaben des Skifahrers entspricht. Sind diese Zeilennicht identisch, so wähle die obere (d.h. die nähere zum Code A). In dieser Zeile lese den Skifahrer-Code (A bis P) ab.Es ist wichtig zu wissen, daß der so gewonnene Skifahrer-Code dem Skifahrertyp 1 (Anfänger, früher L) entspricht und daß noch keine Alterskorrektur vorgenommen wurde.

Alterskorrektur
Für Skifahrer, die 50 Jahre und älter sind, gehe in der Tabelle eine Zeile nach oben (Richtung Code A).
Für Skifahrer, die Unter 10 Jahre sind, gehe in der Tabelle eine Zeile nach oben (Richtung Code A)
.Korrektur für Skifahrer-Typ
Früher wurde diese Korrektur auch Fahrkönnen, oder Risikobereitschaft genannt. Die Regel sind folgende:
für Typ 1 (früher L) bleibe auf der Zeile
für Typ 2  (früher A) gehe 1 Zeile nach unten
für Typ 3  (früher S) gehe 2 Zeilen nach unten
In der sich zuletzt befindlichen Zeile suche nach den entsprechenden Drehmomenten Mz und My. Der Tolleranzbereich beträgt eine Zeile über und eine Zeile unter dem ausgewählten individuellen Auslösedrehmoment. Da die Zeilen die Drehmomente in 15%-igen Schritten definieren, beträgt die zulässige Toleranz für die richtige Bindungseinstellung +-15 \%.

Die zulässigen Toleranzen
für das gemessene Auslösedrehmoment gegenüber dem ausgewählten (kalkulierten) individuellen Drehmoment betragen exakt:
VORNE: Mz: +- 15\% oder 3 Nm (es gilt jeweils der größere Wert)
FERSE: My: +- 15\% oder 10 Nm (es gilt jeweils der größere Wert)

Der Einstellbarkeitsbereich liegt 2 Zeilen über und 2 Zeilen unter dem ausgewählten individuellen Auslösedrehmoment. Da die Zeilen die Drehmomente in 15\%-igen Schritten definieren, liegt die Nichteinstellbarkeitgrenze bei +- 30\%.

Die Sohlenkorrektur.
Durch die Sohlenlängenkorrektur findet man schließlich die Einstellzahl für die Voreinstellung in dem mittleren Bereich folgender Tabelle (Abbildung X), jeweils auf dem Kreuzpunk der zuletzt ermittelten Zeile (= Code) und der entsprechenden Sohlenlängenspalte.

Kennwerte für den Skifahrer
Ausgangeinstellzahl Z in Abhängigkeit von der Schuhsohlenlänge in mm
Kennwerte für die Überprüfung
Masse des Skifahrers in Kg
Größe des Skifahrers in cm
Skifahrer Code
-250
251-270-
271-290-
291-310
311-330
331+
Drehung Mz (Nm)
Vorwärts- neigung MY (Nm)
5 (a)
18 (a)
10 -13
A
0,75
0,75
8
29
14-17
B
1
1
0,75
11
40
18-21
C
1,5
1,25
1
14
52
22-25
D
1,75
1,55
1,5
1,25
17
64
26-30
E
2,25
2
1.75
1,5
1,5
20
75
31-35
F
2,75
2,5
2,25
2
1,75
1,75
23
87
36-41
G
3,5
3
2,75
2,5
2,25
2
27
102
42-48
-148
H
3,5
3
3
2,75
2,5
31
120
49-57
149-157
I
4,5
4
3,5
3,5
3
37
141
58-66
158-166
J
5,5
5
4,5
4
3,5
43
165
67-78
167-178
K
6,5
6
5,5
5
4,5
50
194
79-94
179-194
L
7,5
7
6,5
6
5,5
58
229
95+
195+
M
8,5
8
7
6,5
67
271
N
10
9,5
8,5
8
78
320
O
11,5
11
10
9,5
91
380
105
452
118 (b)
540 (b)
Die Werte dienen nur als Beispiele und können auch in Brüchen angegeben werden
(a) = unterste Grenzabweichung, (b)= oberste Grenzabweichung